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Yuneec Breeze 4K Review: noch nicht überzeugend

Yuneec platziert seinen Selfie-Copter als fliegende Kamera. Lockt sich flink auf Satelliten, macht HD-Fotos und 4K Filme, besitzt 4 Aufnahme-Modi und ist vollständig per App zu bedienen. In der Praxis zeigen sich Schwächen, die das Selfie-Vergnügen trüben. Ist der Breeze seine 499€ wert? Die Antwort gibt’s im Review.

Yuneec Breeze: der Selfie-Copter

Selfie-Copter, die als fliegende Kamera in die Hosentasche oder zumindest locker in jeden Rucksack passen, gibts noch nicht viele. Dobby, Kimon, eHover, Lily oder Roam-e fallen mir spontan dazu ein. Wobei die vier letztgenannten angekündigt sind und maximal vorbestellt werden können. Tatsächlich verfügbar ist neben zerotech’s Dobby jetzt auch der Yuneec Breeze 4K, um den sich dieses Review dreht.

500€ Selfie-Drohne

Als Gegenwert gibts einen gut verarbeiteten, kompakten 24cm Quadcopter mit Klapp-Propellern. Um 90 Grad nach oben/unten schwenkbare 4K Kamera (ohne Gimbal, rein elektronisch stabilisiert), GPS/Glonass sowie Indoor-Positioning-System (IPS), damit der Breeze den Abstand zum Boden messen kann für Auto-Start/-Landung aber auch zur Steuerung in Innenräumen ohne GPS-Signal. Eine Fernbedienung gibt es nicht. Gesteuert wird mit der Breeze Cam App, die es kostenlos für Android und iOS gibt.

Inhalt der Transportbox

Inhalt der Transportbox

Lieferumfang Yuneec Breeze 4k

Geliefert wird der Breeze in einer stabilen und für den Transport praktischen Kunststoffbox. Sie enthält den Breeze, einen proprietären 1.150 mAh LiPo-Akku (weitere Akkus ca 40€) und ein passendes Ladegerät. Toll wäre auch ein USB- oder Kfz-Ladeadapter, um fernab jeder Steckdose Akkus für den Breeze aufladen zu können. Löblich und sinnvoll: Ersatzpropeller sind dabei sowie ein simpel anzubringender Propellerschutz. Den solltest du bei den ersten Flügen nutzen und unbedingt bei der Verwendung in Innenräumen! Darüber hinaus gibt´s ein winziges Heftchen als Schnellstart-Anleitung.

1.150 mAh LiPo reicht für ca 7-8 Minuten

1.150 mAh LiPo reicht für ca 7-8 Minuten

Anleitung & App

Leider sind nicht alle Funktionen ausführlich erklärt und die Schrift im Heftchen ist so klein, dass ich mir wenigstens einen Link auf ein ausführliches Handbuch/PDF-Dokument wünsche. Die App Breeze Cam war anfangs ausschließlich in englisch, was auch nicht jeder bestens versteht. Gerade wenn es um Begriffe wie Kompass-Kalibrierung und Steuerbefehle eines Multicopters über  Throttle, Yaw, Nick, Roll geht. Wer sich noch nie mit Coptern befasst hat – und Yuneec peilt sicher auch Nicht-Copterflieger als Zielgruppe an – ist hier schnell verwirrt bis aufgeschmissen. Yuneec hat mittlerweile kleinere Updates nachgelegt und nun fast alle Menüs, Dialoge und Begriffe in deutscher Sprache übersetzt. Aber das eigene Profil, Login und Register sowie Meldungen zu Firmware-Updates oder Formatierung des internen Speichers gibt’s weiterhin in englisch. Offenbar ist Yuneec hier schnell am Werk, nur nicht gründlich.

In 2 Wochen gab´s 2 Firmware-Updates. Bei mir lauten die Angaben in der App (Daten vom 21.09.2016) nun

Client-Version   1.0.2.5
Flugsteuerung-Version 1.0.0  Flugsteuerung-Version  1.0.3
Kamera-Version 1.0.0(F)

Die App informiert über Firmware Updates

Die App informiert über Firmware Updates

Auf Yuneec´s eigenem YouTube-Kanal ergänzt man allmählich mit Tutorials zum Breeze. Natürlich alles in englischer Sprache und interessanterweise bleibt bislang der vierte Aufnahme-Modus „Follow-Me“ außen vor. Werbeversprechen ohne praktischen Nutzen?

Breeze & Smartphone binden

Bevor du den Breeze mit der App nutzen kannst, musst du sie freilich einmal herunterladen. Dann den Breeze anmachen und im Smartphone WLAN aktivieren. Der Breeze sollte nach kurzer Zeit als Hotspot auftauchen. Mit dem Yuneec typischen Passwort „1234567890“ verbindest du dich mit dem Breeze und startest die App. Künftig musst du das Passwort nicht mehr eingeben. Aber schauen, ob du evtl. nicht mit anderen Geräten verbunden bist.

Breeze Cam App

Die App ist einfach zu bedienen. Sie ist gut strukturiert und aufgeräumt. In jedem Modus gibt es auch nur die Funktionen, die dafür notwendig sind. Wird ein Aufnahme-Modus zum ersten Mal aufgerufen, erklärt ein Mini-Tutorial die Bedienung. Einen Satelliten-Lock gibt’s bei mindestens 10 gefundenen Satelliten. Solange das nicht der Fall ist, kannst du keinen Aufnahme-Modus nutzen, aber manuell im Piloten-Modus steuern und umherfliegen. Die Grenzen für maximale Höhe und Distanz legst du zuvor in den Geofencing Optionen in den Einstellungen zum Breeze fest. Sie kann zwischen 3-80 m für die Höhe und 10-100 m für die Entfernung betragen. Für den Autostart kannst du ebenso zuvor die Hover-Höhe zwischen 0,7 bis 2 m festlegen. Per Touchbutton hovert der Breeze dann bei jedem Start in der angegebenen Höhe.

Vor dem ersten Flug braucht es die Kompass-Kalibrierung. Diese ist beim Breeze wirklich einfach und sehr gut gemacht. Ein Lob dafür! Endlich gibt´s mal ein 3D-Model, dass dir direkt zeigt, wie du den Breeze in welche Richtung drehen musst. Das nenne ich vorraussetzungsfrei. Signaltöne geben direktes Feedback, wenn der jeweilige Vorgang erfolgreich war.

Selfies mit dem Breeze

Nun zu den Haupt-Funktionen des Selfie-Copters: Die Abläufe  für Aufnahmen sind stets gleich: Du wählst einen der vier Aufnahme-Modi Selfie, Orbit, Journey oder Follow Me. Dann lässt du die Drohne abheben, richtest mit ein paar Steuerbefehlen die Kamera aus und startest die Aufnahme. Im Foto-Modus kannst du jederzeit überall auf dem Touchscreen tippen, um ein Selfie zu machen. Im Video-Modus gibt´s rechts nen roten Aufnahme-Button. Den Rest erledigt die Drohne eigenständig, etwa das Umrunden einer Person im Orbit-Modus, das entfernen und sich wieder nähern im Journey-Modus wie auch die Landung, nach der eine laufende Aufnahme automatisch beendet wird.

Was mich anfangs irritierte: Im Orbit-Modus dreht der Breeze nicht eine Runde und stoppt dann, sondern immer weiter, bis du den Vorgang stoppst. Ich fänd´s schöner, zuvor die Anzahl an Runden auszuwählen. Ebenso ging ich davon aus, dass der Breeze beim „Landen“ zu seinem Take-Off-Punkt zurückkehrt. Tatsächlich landet er an Ort & Stelle wo er gerade hovert. Also nicht über einem Baum, Graben oder Wasser den Lande-Button betätigen ,-)

Was direkt schief ging: Ich habe den Copter so ausgerichtet, dass ich im Bild zu sehen war und dann den Orbit-Mode gestartet. Mit dem Effekt, dass mich der Breeze aus dem Bildmittelpunkt verloren hat. Warum? Weil es die Einstellungs-Option „Starthöhe und Standardentfernung“ gibt, wo du die Entfernung zwischen Startpunkt und dem Mittelpunkt im Selfie-, Orbit, Journey-Modus festlegst. Die kann zwischen 4 m und max 20 m betragen. In meinem Fall waren 6 m eingestellt – und ich nach dem ausrichten vielleicht 3-4 m vom Breeze entfernt.  Meine Entfernung zum Breeze war also tatsächlich viel kürzer als konfiguriert, womit der Mittelpunkt für die Umrundung auch ganz woanders liegt. Seine Bahnen zieht der Breeze recht flink und zuverlässig.

4K und HD Aufnahmen

Filme werden in 3 Qualitäten aufgenommen:

  • UHD (4K) 2160p@30fps
  • FHD 1080p@30fps (elektr. stabilisiert)
  • HD 720p@60fps (elektr. stabilisiert)

Der Video-Downlink ist in UHD 848x480p@30fps. In den anderen beiden Modi 720p@30fps. Bei Fotos gibt es die Option für

  • Mittel
  • Ultrahoch

ohne nähere Angaben zur genauen Auflösung.

Die Aufnahmen des Breeze landen im Bereich „Galerie“ der App. Genauer: Sie müssen vom Copter erst aufs Smartphone übertragen werden. Das geht logischerweise über die bestehende WLAN-Verbindung –  und kann bei nem längeren Filmchen seine Zeit dauern. Daher gibt es auch die Option, Aufnahmen in einer geringeren Auflösung aufs Smartphone zu übertragen.

Die Aufnahmequalität in 4K ist überzeugend für so einen Mini-Copter. Detailreich mit guten, wenn auch nicht immer sehr natürlichen Farben und Kontrasten. Zu hohe Ansprüche darfst du aber nicht stellen. Ich würds mit dem Niveau einer guten Smartphone-Kamera vergleichen.

Weniger überzeugend finde ich die übrigen Filmmodi FHD und HD. Hier werden Aufnahmen aufgrund der elektronischen Bildstabilisierung zwar deutlich ruhiger. Allerdings sichtbar zu Lasten der Auflösung und Details, die absumpfen. Beim Video-Stream und Download aufs Smartphone sieht alles schön aus. Auf einem großen Bildschirm betrachtet werden die Unterschiede deutlich.

Mangels Gimbal und wegen der geringen Größe des Breeze gelingen Aufnahmen am besten bei geringem bis keinem Wind. Ansonsten verwackeln Videos schnell. Das erinnert mich an die Zeiten mit dem DJI-Phantom 1 & 2, wo du die Actioncam direkt in einem Rahmen unter den Copter geklemmt hast. Übrigens sind alle Aufnahmen vollkommen tonlos. Es gibt kein Mikro.

In Innenräumen hab ich den Breeze auch ausprobiert. Hier wird empfohlen, GPS über die App abzuschalten und IPS zu nutzen, was gut funktioniert. Ebenso sollte immer der Propellerschutz aufgesteckt sein. Automatische Flugmodi gibt´s drinnen nicht – alles wird im Piloten-Modus gesteuert.  In normalen Büro- oder Wohnräumen würd ich den Breeze aber nicht nutzen wollen. Er ist laut und klingt recht bedrohlich. Auch sind die Aufnahmen im Kunstlicht ohne weitere Bild-Anpassung verrauscht und einfach mies. In einer großen Halle, einem Saal bei Tageslicht mag der Breeze ja noch ungewöhnliche Aufnahmen und -winkel ermöglichen. In normal hohen Räumen machst du mit jedem aktuelleren Smartphone schönere & lautlose Bilder.

Drinnen nur mit Propellerschutz!

Drinnen nur mit Propellerschutz!

Yuneec Breeze: PROs & CONs

Hier meine PROs & CONs in der Übersicht, bevor ich auf einige Punkte detaillierter eingehe

PROs
+ kompakt und hübsch designed
+ gut gemachte, übersichtliche App
+ schneller Satelliten-Lock
+ hovert stabil mit geringem Drift
+ 4K Aufnahmen bei guten Wetter-Bedingungen

CONs
. zu teuer
. Ersatzakkus teuer
. zu kurze Flugzeit
. braucht längere Eingewöhnung
. laut in Innenräumen
. verwackelte Aufnahmen bei Wind
. Bildqualität in nicht 4K-Modi
. Bildqualität in Innenräumen bzw bei weniger guten Lichtverhältnissen

Jetzt habe ich mich mehrere Tage in unterschiedlichen Situationen mit dem Breeze beschäftigt. Und überzeugt bin ich noch nicht. Der Copterzwerg braucht doch eher einen Piloten, der alles kontrolliert und im Blick hat. Wer schon Copter steuern kann, wird damit freilich seinen Spaß haben und durchaus ansehnliche Ergebnisse erzielen. Wer sich aber mit Coptern Null auskennt, muss sich einige Zeit eingewöhnen und die Eigenheiten/Konfiguration des Breeze gut kennen. Voraussetzungsfrei ala 1-2-3 ist der Breeze jedenfalls nicht – und damit, wie ich finde, etwas am Ziel einer „Selfie-Drohne für jedermann“ vorbei.

Und auch zu teuer! Mal ehrlich: 399 € für den Breeze mit 2tem Flugakku fände ich einen angemessenen Preispunkt. Und maximal 25 € für Ersatz-Akkus. Im Paket von derzeit 499 € hätte ich gern den Wizard oder eine verkleinerte Version davon gesehen. Das würde den hohen Preis rechtfertigen und optimal zur Steuerung sein. Es ist mir vollkommen unverständlich, warum der Wizard für Yuneec Copter taugt, nur ausgerechnet für den Breeze nicht.

Wie geil wäre es denn, den Breeze mit dem Wizard per Knopfdruck starten und landen zu können und über Pfeiltasten vor/zurück/rechts/links zu dirigieren. Dazu einfach auf einen Punkt in der Luft zeigen – und der Breeze fliegt dorthin. Oder Gesten-Erkennung über die Kamera, um eine Foto oder Video-Aufnahme auszulösen, wie es der DJI Mavic unterstützt: Ein großes „V“ in die Luft gezeigt – und die Video-Aufnahme startet. Eine „Foto schießen“ Geste vorm Gesicht ausgeführt – und ein Counter zählt für einige Sekunden runter, bevor das Bild geknipst wird.

Copterflieger´s Fazit:

Der Yuneec Breeze lässt die ein, zwei Alleinstellungsmerkmale vermissen, die den hohen Preis von 499 € rechtfertigen (Stand: Sept 2016). Die Flugzeit ist mit 7-8 Minuten zu kurz. Längere Einsätze musst du dir mit überteuerten Ersatz-Akkus erkaufen.  Für mich ist der Breeze als einer der ersten verfügbaren Vertreter einer neuen Multicopter-Klasse eine interessante Spielerei. Zum Kauf empfehlen möchte ich ihn aber nicht. So spaßig es mit dem Breeze sein kann: es gibt jetzt schon günstigere Selfie-Dronen. Und schon bald noch viel interessantere.     

Alternativen: 

 

weitere Infos & Preise

 

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